Drahten

Vor einigen Jahren sind Bonsai, vor allem Nadelbäume, auf dem Markt zum Kauf angeboten worden, die mehr Draht als Äste gehabt haben.

Diese Zeiten sind zum Glück mehr oder weniger vorbei.

Gedrahtet wird nur, wenn es nicht anders geht. Drahten kann notwendig werden um Äste in einen optimalen Winkel zu biegen oder um den Baum generell älter/besser aussehen zu lassen. Es hat wenig mit Bonsai zu tun, den Baum in allerlei skurrilen Formen zu biegen, die nichts mit den natürlichen Baumformen gemein haben.

Die schweren Äste älterer Bäumen sind durch Eigengewicht waagrecht oder sogar nach unten geneigt. Mit dem Drahten korrigieren wir die Aststellung, die meist jungen aufstrebenden Äste werden nach unten gedrahtet, somit erreichen wir, dass der Bonsai ein älteres Aussehen bekommt. Gleichzeitig ermöglichen wir eine bessere Lichtdurchflutung und so können sich neue Knospen entwickeln, die für ein dichtes Astwerk unentbehrlich sind.

 

 

In unserem Shop gibt es spezial für Bonsai abgepacktes Draht, es ist eloxiert und die Legierung besteht aus Aluminium. Dieses Draht ist extrem biegsam und verhärtet mit den Jahren kaum. Man kann es in verschiedenen Stärken kaufen: von 1 mm bis 6 mm.

In gewissenen Fällen, bei z.B. extrem dicken Ästen, braucht man Kupferdraht. Dieses ist weniger biegsam aber dafür sehr starr und man bekommt mit weniger dickem Draht zu guten Resultaten.

 

Schützen Sie den Ast mit Natur-/Raffiabast (im Shop erhältlich), damit er beim Biegen nicht verletzt wird. Wenn Sie extrem starke Äste in die bessere Position biegen wollen, sollten Sie während einer halben Stunde, einen Strang von 10 bis 12 Raffiabast-Streifen in lauwarmes Wasser einweichen. Vor dem Gebrauch überflüssiges Wasser abstreifen und sehr fest um den Ast wickeln. Durch diese Technik bleibt der Druck im Ast überall gleich und vermindert die Gefahr, dass der Ast bricht.

Schutz- oder Protektionsband. Das Band schützt das Cambium, soll aber vor allem verhindern, dass die Äste beim Biegen brechen. Sie werden stramm und eng um die Äste gewickelt.

Diese Bänder sind selbst-vulkanisierend (verkleben), schnell und problemlos anzuwenden und dehnen sich bei wachsendem Stammdurchmesser mit. Sie hälten länger als Raffiabast und halten das Cambium besser zusammen. 

Zum Drahten wählt man eine Drahtstärke, die dem zu drahtenden Ast oder Stamm genügend Halt bietet. Wählen Sie wenn möglich den Draht nicht allzu dick.

Immer schön mit Finger und Daumen den Draht festhalten, damit dieser nicht verrutschen und die Rinde nicht beschädigen kann .

Drahten Sie in einem 45° Winkel, das gibt den besten Halt. Wenn Sie nach rechts drahten, können Sie den Ast nach links biegen, wenn Sie nach links drahten, können Sie nach rechts biegen. Probieren Sie es mal aus, es stimmt.

 

Sollten Sie verschiedene Drahtstärken benötigen, so drahten Sie immer in der gleichen Richtung und nicht kreuz und quer übereinander. Wir wollen doch den Baum nicht mit Draht verunstalten.

Damit der Draht auch hält, ist es notwendig erst zum Beispiel etwas Draht um den Stamm zu wickeln und erst dann den Ast zu drahten. Was auch sehr gut funktioniert, ist den gegenüber befindlichen Ast mit zu drahten, so hat der Draht sicher genügend Widerstand um den anderen Ast in der verlangten Position zu halten.

Der Draht bleibt nur so lange am Bonsai bis der Ast nicht mehr in seine alte Position zurückgehen kann, oder mit anderen Worten sich verfestigt hat. Dies ist normalerweise schon nach etwa 3 Monaten der Fall. So können die im Frühsommer gedrahteten Bonsai im Herbst schon wieder entdrahtet werden.

In bestimmten Fällen ist es notwendig den Draht einwachsen zu lassen, dies bewirkt, dass der Ast schneller dicker wird und schlafende Augen vermehrt angeregt werden auszutreiben, was wiederum ein kompaktes Nadelwerk ergibt.

Tipp: nach dem Drahten und Biegen sollte der Bonsai von April bis Ende August jede Woche mit Bonsaiflüssigdünger überbraust werden. Durch diese extremen Düngergaben wird der Bonsai sich schnell erholen und vermehrt austreiben.

Achten Sie darauf gedrahteten Bonsai keine starken Dauerfröste auszusetzen. Draht leitet die Kälte und es kann zu Schäden am Baum führen.

 

 

Entdrahten

Wenn gedrahtet worden ist, sollte auch mal entdrahtet werden. Normalerweise sollte der Draht nicht einwachsen, es schaut nicht schön aus wenn ein Ast wie eine eingeschnürte Wurst aussieht. Diese Narben sieht man Jahre später noch und der Bonsai verliert viel von seiner Schönheit.

 

 

Im Monat September gibt es vielfach einen Wachstumschub und muss man sehr darauf achten, ob der Draht entfernt werden muss. Wickeln Sie den Draht niemals ab, sondern schneiden Sie mit einer speziell für diese Arbeit entwickelten Drahtzange Stück um Stück den zu entfernden Draht auf. Hierdurch wird die Rinde nicht verletzt und bricht kein Ast durch unvorsichtiges Abwickeln ab.

Mit der Jinzange können wir trotzdem eingewachsenen Draht vorsichtig lösen. Eventuelle Verletzungen werden mit Baumwachs abgedeckt.

 

 

 

 

Ältere Äste sollten mit Hilfe von Spanndrähten im Frühjahr, wenn der Saftstrom die Äste wieder flexibel gemacht hat, in Form gebracht werden.

Grundtechniken